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Der klebrige Chefsessel

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birguli
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Beigetreten: 23.11.2009
Punkte: 398
Der klebrige Chefsessel

In diesen Tagen, anderthalb Jahre nach der katastrophe von Duisburg ist er wieder in aller Munde, der Oberbürgermeister von Duisburg, Herr Sauerland. Unter dem Mäntelchen der Pflichterfüllung klebt er buchstäblich an seinem Sessel:
"Ich bin gewählt bis 2015 und werde OB bleiben, bis ein anderes demokratisches Votum kommt."
Unglaublich! Kann dieser Mensch überhaupt mitfühlen, was in den herzen und Köpfen der Todgewihten vor sich ging? Oder hat er auch nur eine Spur Ahnung, welche Ängste die Angehörigen durchlebten, die Ihre Kinder in dem Inferno vermuteten oder gar wußten?
21 meist junge Menschen fanden den Tod, viele Hundert wurden verletzt. Nicht in Zahlen auszudrücken ist das Grauen in den Köpfen der Überlebenden, Bilder, die sie ihr leben lang nicht mehr loswerden
Hier die Schilderung einer Mutter, die ihre Söhne in diesem Inferno wußte und nur verzweifelt warten konnte. Gefunden in : www.parkinson-vereint.de Die Autorin heißt Daniela. Mehr weiß ich nicht von ihr.

Stunden der Angst

Der Tag fing gut an und
ich muss jetzt schon sagen er hörte auch gut auf.
Ich habe zwei große Söhne (21 und 23 Jahre).
Sie hatten sich mit ihren Freunden zur Love Parade verabredet. Dafür steht man sogar am Wochenende früher auf als sonst.
Unser großer sagte aber schon am Vorabend das er wohl nicht mitfahren würde (er hat schon seit zwei Tagen eine verschnupfte Nase und er fühlte sich auch nicht gut).
Samstagmorgen dann stand er zwar auf bestätigte aber das er nicht mit käme. So zogen sie dann gegen 11 Uhr mit 11 Leuten los.
14 Uhr begann ja die Übertragung im WDR und Jan mein großer sah diese auch und "leckte Blut". Er konnte sich das nicht nur einfach anschauen. Er
machte sich auf und fuhr auch nach Duisburg. Er hatte noch einen seinen
Freunde per Handy erreicht und dieser meinte komm nach....Und weg war er.
Ich hatte dann auch weiter den Fernseher an und schaute ab und auch zu und
bekam mit das der Platz immer voller wurde.
Mein Mann und ich waren an diesem Abend zu einem 60zigsten Geburtstag
eingeladen (Arbeitskolleg meines Mannes).
Wir machten uns so gegen 17.30 Uhr auf den Weg nach Bottrop und hatten kein Autoradio an.
Angekommen sahen wir dann schon die anderen Arbeitskollegen die auch eingeladen waren. Wir standen dann zusammen und ich holte mir erst mal ein Getränk. Wie ich dann wieder zurück ging sah ich das mein Mann telefonierte. Eine Frau aus dem Kreis der Arbeitskollegen sagte mir dann ganz nebenbei das bei der Loveparade ein Unglück passiert ist und es Tote gegeben hat( sie hatte es wohl vorher schon mal gesagt). In diesem Moment zog es mir den Boden unter den Füßen weg.
Unser Jungs sind doch da. Was ist mit denen ,wo sind sie jetzt wie geht es
ihnen jetzt ? Mein Mann kam dann wieder zu uns und sagte das er unseren
Jens(den jüngeren ) erreicht hat. Er sei auf dem Weg nach Hause. Aber Jan war nicht erreichbar. Das Handynetz war in diesem Moment zusammengebro-chen. Ab diesem Zeitpunkt war mir der Geburtstag sehr egal. Mit dem Handy in der Hand und immer wieder den Jan zu erreichen versuchend lief ich dort rum. Gegessen habe ich auch, aber einfach so. Ohne Freude an der Sache. Dann so gegen 20.45 Uhr die Erlösung. Mein Mann hatte Jan erreicht. Er war zu Hause. Gesund und heil. Ein paar blaue Flecke wird er wohl bekommen. Ich habe Jan dann noch selber angerufen, musste ihn selber sprechen. War das schön ihn zu hören. Mein großes Kind.
Er war zu den Unglückszeitpunkt im Tunnel und ist seitlich an der Katastrophe
vorbei. Er hatte einen Schutzengel bei sich. Denn auch er ,wie viele andere,
wollte eigentlich die Treppe am Tunnel hoch. Er aber hat sich dann anders
entschieden und das war sein Glück.
Keinem von Jens und Jans Freunden ist etwas passiert .Es
sind alle heil nach Hause gekommen.
Daniela

birguli