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Menschliches frei nach Eugen Roth

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birguli
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Beigetreten: 23.11.2009
Punkte: 396
Menschliches frei nach Eugen Roth

Mein Vorgänger in der Regionalgruppenleitung ist ein begnadeter Gedichteschreiber
Das folgende Gedicht, verfasst frei nach Eugen Roth, hat mir so gut gefallen, dass ich es Euch nicht vorenthalten will

Karl Meyer Die Diagnose

Ein Mensch, gebildet und belesen, mit Füß und Händen sehr geschickt
mit siebzig kaum mal krank gewesen, was er begann, ist meist geglückt.
Der Mensch denkt: "Schön ists, zu genießen und auf dieser Welt zu sein.
Wo Kocher, Jagst und Tauber fließen, da lebt sichs gut, da ist es fein".

So lebt der Mensch, wird 60, 70. Hat längst ein schmuckes Haus gebaut,
ne Klasse Frau, begabte Kinder, Enkel, auf die mit Stolz er schaut.
Der Mensch denkt: "Ja, so mög es bleiben in meinem schönes Paradies
Daraus kann keiner mich vertreiben. das ist -so wie der Tod- gewiss".

So denkt der Mensch, ist froh und heiter, lebt glücklich in den Tag hinein.
Er weiß, -wer weiß- ,ob´s nicht gescheiter ist, kleinster Wohltat sich zu freuen
Der Mensch hat recht, das Alter ist nicht immer eitel Sonnenschein. Da, wo viel Licht ist, dagt schon Goethe, wird umso mehr auch Schatten sein.

So will der Mensch die Schatten fliehen, doch bei der nächsten "Inspektion"
braucht er sich nicht mal mehr auszuziehen. Der Hausarzt tippt auf "Parkinson"
Die Diagnose wird bestätigt, die family berät. Was nun?
Doch Neurologes Wort begnädigt: "Nur keine Panik! Honeymoon!"

Wie kommt der Mensch zu Flitterwochen in diesem Alter und mit wem?
Im Gleichnis hat der Arzt versprochen: "Fünf Jahre geht´s noch ganz bequem
Es können gut auch sechse werden, vielleicht auch sieben, oder zehn
Der Mensch tut gut daran, auf Erden sich ein wenig umzusaehen.

Der Mensch, dem Reisen nie ne Grille, ist von der Therapie beglückt,
kauft Strohhut, Skier, Sonnenbrille, schnappt Reiseschnäppchen wie verrückt.
Beim Fragen, Planen,Routen suchen umweht ihn schon der weltweit Duft
Da heißt´s zuletzt nur Buchen, buchen, zu Land zu Wasser, in der Luft

So folgt der Mensch dem Rat der Räte, bereist das Nordkap, die Prairie
Sieht manch Kamel an öder Stätte, stöhnt : "Sou a Hitz, dou geht mr hi!"
Schon ist der Honeymoon vergangen, fünf Jahre sind so schnell dahin
Und nun heißt´s wirklich: "angefangen. Nun braucht der Kopf das Dopamin

Da steht nun das Menü beidammen, die Apötheke kocht das Mahl. Der Mensch tut schwer mit all den Namen. Er nimmt und schluckts in großer Zahl.
Er denkt und sagt sich:"Gott sei Dank, dass unser Magen dies verträgt
Herr Parkinson macht schrecklich krank, wenn man ihm nicht das Handwerk legt.

Was ist nun dieser Mensch? Der Eine, der so geplagt von Parkinson?
Ich bins, und nicht nur ich alleine, den er im Griff hat lange schon.
Doch kann er uns am End besiegen? "O nein , und treibt er´s noch so arg,
wir lassen uns nicht unterkriegen, denn miteinander lind wir stark

So geh´n getrost auf unseren Wegen wir Tag um Tag und Schritt vor Schritt.
Wir wissen: Gottes Kraft und Segen sind bei uns und gehn künftig mit
So wie ichs kann, will ich es treiben. Ich sitz ja nicht auf Gottes Thron
Ich bin ein Mensch und werd es bleiben, mit oder ohne Parkinson

birguli