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Sanfter Start 2

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Nachts kann ich nicht wirklich schlafen, einfach, weil ich nicht gewöhnt bin nichts zu tun. Am nächsten Morgen werde ich, nach dem Frühstück, erst in einen Rollstuhl gesetzt, und dann in das Bad gerollt. Barbara, eine sehr junge Krankenschwester geht mit mir. In der Dusche steigt sie in ein Paar weiße Gummistiefel, legt eine Wasserdichte Schürze an und entkleidet mich.
Wieder etwas zum wundern für mich, dieser Vorgang, der normalerweise Schamgefühle wachgerufen hätte, lasse ich widerstandslos zu. Das muss die Nachwirkung der Medikamente sein.
Sie lässt angenehm warmes Wasser über meinen Körper rinnen, und beginnt mich von Kopf bis Fuß einzuseifen, und sorgfältig zu waschen. Das abtrocknen geschieht ebenso sorgfältig. Dann geht es wieder in das Zimmer, und in mein Bett. Hier beginnen zwei andere Schwestern damit, mir eine basische Massage zu verabreichen, wobei eine der anderen erklärt, wie es gemacht wird. Ich bin ein Übungsobjekt. Es ist auch Visite, Ärzte, Therapeuten, die Fragen nach meinem Zustand stellen, erscheinen.
Das Sprechen fällt mir noch etwas schwer.
Man versucht mir auch zu erklären was, warum mit mir gemacht wurde, z.B. dass meine Schädeldecke jetzt nicht mehr ausschließlich aus dem Originalmaterial besteht. Innerhalb des Schädels ist ein Aneurysma geplatzt. Die Folge war, dass Teile des Hirns von Blut überschwemmt wurde. Um dieses absaugen, und die Gefäßrückstände entfernen zu können, hat man ein Stück Knochen

entfernt. Dieses wurde dann durch ein Stück Platin ersetzt. Klartext; eine Hirnblutung, Oberbegriff, Schlaganfall.

Mittags gibt es auch etwas richtiges zu essen, ein gutes Gefühl, etwas anderes als Sondenkost zu sich zu nehmen auch wenn ich nicht viel esse. Auf eine Art auch ein Beweis dass nicht alles verloren ist. Danach gibt es auch wieder einen guten Kaffee.

Die Sonde wird nach zwei Tagen endgültig entfernt, da es mit dem Essen klappt. Ebenso die anderen Sonden und Katheder. Jetzt gibt es generell wieder normales Essen.
In diesem Land bedeutet das, geschmackvoll, sorgfältig zubereitet und dekorativ angerichtet. Mit anderen Worten wie im gehobenen Restaurant.

Man beginnt auch sofort mit, und an mir, zu arbeiten, d.h. ein Physiotherapeut bringt mich zum stehen, und verlangt kleine Bewegungen von mir. Es geht darum festzustellen, welche Ressourcen noch vorhanden sind. Allerdings hat er mein linkes Bein vorher in eine Luftschiene einen Johnstone Splint gestellt, sonst wäre das völlig unmöglich. Es ist anstrengend aber es macht mich stolz. Noch hege ich die Hoffnung, in absehbarer Zeit wieder an meinem Arbeitsplatz zu sein. Dass das eine Illusion ist, erschließt sich mir nur sehr langsam.

Die normale Station bedeutet auch wach sein am Tag, gewaschen, ja sogar geduscht werden. Zähne putzen muss ich selbst besorgen, ebenso das rasieren. Das geht zwar etwas holperig mit einer Hand, aber es geht, sogar unblutig. Nachts kann ich nicht einschlafen, und wenn, dann ist es ein unruhiger Schlaf, Alpträume, ich weiß nicht genau was geschieht, aber irgendwann, reagiert das Hirn erneut.

Für eine Weile bin ich in einem seltsamen Raum. Aber wo? Ist es noch auf dieser Welt?
Eine Art Labor, glaube ich zu erkennen, anscheinend ungepflegte, nicht völlig intakte Geräte und unbekannte Maschinen, Schutzabdeckungen scheinen zu fehlen, jedenfalls sind für mich nicht erkennbar. Ich fürchte Strahlungen ausgesetzt zu sein! Horrorszenen aus Filmen tauchen aus der Erinnerung auf. Panik kriecht in mir hoch. Unklare Gesichter, hinter denen ich jeweils einen Bösewicht erwarte. Längere Zeit später, erfahre ich, dass ich einen epileptischen Anfall hatte.

Als ich am nächsten Morgen erwache, bin ich allein in einem anderen Zimmer. Auch nicht schlecht! Tagesablauf wie gehabt. Der Schlaf flieht mich hier aber auch weiterhin. Ich versuche es mit dem angebotenen Orangenblütentee, ca.0,2l sind gut für etwa 2 Std. Schlaf. Da ich mich nicht wie gewohnt bewegen kann, die gelähmten Gliedmaßen schränken mich ein, finde ich schwerer eine gute Schlafposition. Ich soll nicht auf der linken Seite liegen, obwohl ich seit Jahren auf dieser Seite schlafe. Dann ist es wieder vorbei. Kurzzeitig bin ich hellwach. Danach schlafe ich doch wieder ein.
Jedes mal, wenn ich in der Nacht aufwache, weiß ich nicht wirklich wo ich bin. Auch das Zeitgefühl ist aus dem Rhythmus. Immer drängt es mich aufzustehen, um mich zur Arbeit zu begeben. Dabei stoße ich regelmäßig an meine Grenzen, da die gewohnten Bewegungen einfach unmöglich sind, folgerichtig rufe ich Hilfe herbei. Der Nachtschwester gelingt es jedes mal mich zu beruhigen, und ich schlafe wieder ein, bis zum unerbittlichen allgemeinen Wecken. Jetzt darf, muss ich sogar aufstehen. Es erfolgt der Transfer in einen Rollstuhl, Transport in das Bad, erneuter Transfer, dieses mal auf die Toilette, dann auf einen Sitz unter der Dusche. Nach der Körperpflege gibt es das inzwischen wohlverdiente Frühstück, an einem Tisch. Der Kampf mit Brot und Butter beginnt. Zum Glück sitzt eine Person dabei, die mir notfalls behilflich ist, primär soll sie darauf achten, dass ich mich nicht verschlucke. Im Laufe des Tages schaut auch eine Ernährungsberaterin herein. Sie gibt mir einige gute Hinweise wie ich mich ernähren sollte.

Leider erklärt mir aber niemand vom Personal, wie ich mich mit dem Rollstuhl erfolgreich fortbewegen kann. Trotz aller Versuche, endet es immer in einem Kreis. Wenn ich aus dem Zimmer möchte benötige ich Hilfe.
Zwischenzeitlich ist auch meine 2. Tochter eingeflogen, das stellt eine Entlastung für die Jüngere dar, sie versteht es auch gezielter Fragen an die Ärzte zu stellen.
Laut Aussage der Ärzte war das schadhafte Gefäß seit meiner Geburt blockiert. Trotzdem wurde es im Rahmen einer früheren Untersuchung, selbst bei einer Computertomographie nicht entdeckt. Für mich ist es schwer vorstellbar, dass man 56 Jahre mit einem derartigem Defekt im Kopf, relativ problemlos leben kann.
Mir wird klar; Ich war eine lebende Zeitbombe! Aber das Wissen liefert Stoff zum Nachdenken, über Vorfälle in der Vergangenheit und mögliche Zusammenhänge mit dem Aneurysma.

Auszug aus den Protokollen, vor und nach der OP( Originaltext einschließlich der möglichen Rechtschreibungsfehler )

MRT Schädel Nativ vom 08.05.2007

Indikation:
Seit 15 Uhr Hemisyndrom links und Blickdeviation nach rechts. Frage nach Insult.

Befund:
Voluminöse T2 hyperintense. T1 hyperintesne Blutung kortiko-subkortikal auf Höhe des Gyrus praecentralis rechts von einer Größe von 5,6*5,3*4,7 mm. Leichtgradiges Begleitödem. Regionale raumfordernde Wirkung mit Kompression des rechten Seitenventrikels. Keine signifikante Mittellinienverlagerung. In der ToF Angiographie keine Darstellung von pathologischen arteriellen Federn in Richtung der Raumforderung. Keine darüber hinausgehende intrakranielle Pathologie abgrenzbar.

Beurteilung:
Grosse koriko-subkorikale Blutung recht frontal unklarer Ätiologie. Im Intervall ist eine ergänzende MR Untersuchung mit Kontrastmittel und gegebenenfalls eine konventionelle Angiographie zur ätiologischen Abklärung durchzuführen. Wir schlagen heute ergänzend eine CT Untersuchung durchzuführen.

CT- Schädel Nativ vom 08.05.2007

Indikation:
Hemi links. Rechts frontal Hirnblutung. Aktuell Epi-Anfall und postiktal keine Erhöhung der Vigilanz
Nachblutung?

Befund:
Es liegt eine Voruntersuchung vom selben Tag zum Vergleich vor.
Im Vergleich zur Voruntersuchung soweit bei anderer Modalitätvergleichbar, größenstationäre Darstellung der vorstehenden hyperdensen kortiko-subkortikal, präzentral rechts mit pertikokaler Ödemzone. Stationäre raumfordernde Wirkung mit Kompression des rechten Seitenventrikels. Keine neu aufgetretene Zusätzliche Blutung.
Copyright: P. Börrie

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