mit unsanften Folgen
Alles begann an einem Nachmittag, Anfang Mai 2007. Ein bis zum Ereignis recht normaler Tag. Der Jahreszeit entsprechend temperiert. Freizeit, man sucht sich einen Platz zum Lesen und entspannen. Und findet diesen Platz auf dem Balkon. Letzteres will jedoch nicht so recht gelingen, es gibt eine nicht definierbare innere Unruhe. Vielleicht hilft es, etwas zu trinken. Der Versuch sich zu erheben, um etwas Trinkbares zu holen, scheitert. Ich gleite an der Vorderseite des Stuhles dem Boden entgegen, und kippe nach vorne, glücklicherweise bleibt meinem Gesicht der Kontakt mit dem noch nicht gefliestem, rauen Balkonboden erspart, aber dann kann ich nicht mehr aufstehen, aus unerfindlichen Gründen weigern der linke Arm und das linke Bein sich, meinem Willen zu folgen. Dieses wird von mir mit erstaunten und auch hilflosem Entsetzen Wahrgenommen. Ungeachtet dessen versuche ich mich zu erheben. Nach einer Reihe vergeblicher Versuche überwinde ich meinen Stolz, und rufe endlich um Hilfe.
Diese kommt dann in Gestalt eines Mitbewohners. Er hilft mir, nachdem ich ihm die Situation erklärt habe, mich aufzurichten, und geleitet mich zu meinem Bett.
Dann telefoniert er trotz meines Protestes, ich sehe die Situation nicht als bedrohlich an, auch wegen weitergehender Hilfe. Diese erscheint recht bald, erst in Gestalt des Chefs, später dann kommt ein Notarzt hinzu, mit einem Rettungsassistenten im Schlepp. Beide führen verschiedene kurze Tests, die übrigens auch jeder Laie durchführen kann, mit mir durch, und beschließen nach kurzer Beratung meine Verbringung in eine Klinik.
Gesagt, getan. Ich werde auf eine Trage gepackt, und mit viel Lärm und blinkenden Lampen in eine Klinik gefahren. ( Die Distanz war zu gering, um meinen lange gehegten Wunsch nach einem Flug mit dem Helikopter zu erfüllen. ) Die letzte wirklich bewusste Wahrnehmung, für mindestens 3 Tage, ist der stichwortartige Dialog zwischen Notarzt und Pförtner. Dann ist erst einmal Schluss.
Ab und an tauche ich aus der Narkose oder dem künstlichen Koma(?), Egal. Auf jeden Fall einem schlafähnlichen Zustand, an die Oberfläche.
Immer, wenn derartiges geschieht, ist jemand am Bett und leuchtet mir in die Augen. Schließlich muss man sich ja davon Überzeugen, dass ich noch lebe, Datenschreiber können lügen... Da es blendet, ziehe ich mir die Decke über den Kopf.
Das wiederum missfällt denen, die mit den Lampen hantieren. Sie versuchen mir die Decke vom Kopf zu ziehen! Ein verbissener Kampf spielt sich ab. Es beginnt ein kreischen, überwiegend weiblicher Stimmen, dazwischen ruhigere männliche Stimmen. Die dazu gehörenden Gesichter gleichen, soweit, für mich erkennbar, Masken der schwäbisch-alemannischen Fasnacht. Einmal sehe ich auch meine Tochter und den Chef am Bett stehen. Beide sehen verständlicherweise, etwas weniger als überglücklich aus.
Nach einer Woche tauche ich dann endgültig aus diesem Zustand auf. Wieder ist meine Tochter da. Eine Krankenschwester verhandelt in unverkennbarem westfälischem Dialekt mit einem, außerhalb meines Sichtfeldes stehenden Arzt über meine Verlegung von der Intensivstation.
Immerhin bin ich klar genug um mir Gedanken über die Örtlichkeit zu machen. Der Dialekt gehört nicht an den Ort, an dem ich zu sein glaube!
Tenor; „Der ist fit, den können wir verlegen.“ Um mir die Aktion schmackhaft zu machen, offeriert sie mir einen Kaffee. Mir muss es sehr gut gehen, denn ich sage freudig zu. Während ich den Kaffee trinke(mittels Trinkhalm) wird darüber diskutiert, was ich essen kann, und will. Wir einigen uns auf weiche, breiige Kost, um die Umstellung von der „Astronautennahrung“ moderat zu gestalten. Dann werde ich in ein anderes Zimmer gerollt. 3 Betten, eines belegt.
Langsam merke ich dass etwas nicht so ist, wie es war, und wie es sein sollte. Mit leichtem Entsetzen registriere ich, dass sich der linke Arm und das linke Bein noch immer nicht bewegen lassen.
Fortsetzung folgt....
Eine Bemerkung zum Schluss, NEIN, ich jammere nicht! Ich habe mich teilweise mit den Folgen arrangiert, und sehe es etwas ironisch.
Copyright: P.Börrie



