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Fettiges Essen macht süchtig

Sie wirken wie eine harte Droge: Speck, Käsekuchen und Co machen ebenso abhängig wie Heroin oder Kokain. Denn Fettiges und Süßes verändern Wege im Gehirn.

Das zeigt das Ergebnis einer Laborstudie an Rattenettige und kalorienreiche Lebensmittel das Gehirn in demselben Maße beeinflussen wie die Droge Kokain. Ab einer bestimmten Menge fühlten sich die Tiere geradezu gezwungen, weiter Massen an ungesunder Nahrung zu sich zu nehmen, wie die Forscher Paul Kenny und Paul Johnson vom Scripps Research Institute in Jupiter, Florida, in der Online-Ausgabe von Nature Neuroscience berichten.

"Die Studie beweist das, was viele schon lange vermutet und andere schon vorher herausgefunden haben: Überkonsum von schmackhaften jedoch ungesunden Lebensmitteln erzeugt eine der Abhängigkeit ähnliche Veränderung im Gehirn, welche zwanghaftes Essen zur Folge hat", sagt Kenny. Es sei der bislang bedeutendste Hinweis dafür, dass ungesundes Essen zu einer regelrechten Sucht werden könne. Morgan Spurlock hatte das 2004 in seinem als Film festgehaltenem Selbstversuch , zwar nicht mit wissenschaftlichem Anstrich aber doch nicht minder eindrucksvoll demonstriert.

40 Tage lang beobachtete man drei Gruppen von Ratten. Die erste Gruppe bekam normales Essen und die zweite wurde mit gebratenem Speck, Kuchen-Glasur, Käsekuchen und anderer kalorienreicher Kost gefüttert – allerdings nur eine Stunde am Tag. Die dritte Gruppe schließlich durfte sich 23 Stunden des Tages an einem reichen Buffet an ungesunden Köstlichkeiten bedienen.

Nicht sonderlich überraschend ist, dass es eben diese Ratten waren, die innerhalb kürzester Zeit an Gewicht zulegten. Doch nicht nur ihre Körperfülle veränderte sich. Auch konnten die Forscher mithilfe von Elektroden Veränderungen im Gehirn der Tiere nachweisen. So zeigte sich, dass sich die Zufriedenheitsgrenze für ungesundes Essen nach oben verschoben hatte: Die Ratten brauchten ab einem gewissen Zeitpunkt mehr Dickmacher, um glücklich zu sein.

Dahinter stecke derselbe Mechanismus, der schon zuvor bei Kokain- und Heroinsüchtigen beobachtetet wurde. Kenny und sein Kollege haben nicht nur den Effekt nachgewiesen, den übermäßiger Konsum kalorienreicher Kost zur Folge hat. Sie untersuchten auch den molekularen Mechanismus im Detail. Sie konzentrierten sich dabei auf einen speziellen Rezeptor im Gehirn, der dafür bekannt ist, dass er eine Rolle zur Anfälligkeit für Drogenabhängigkeit und Fettleibigkeit spielt: den D2-Rezeptor.

Diese Andockstelle im Gehirn reagiert auf Dopamin – einen chemischen Botenstoff, der besonders die Zentren anregt, die die Motivation, das Verhalten und die Lernfähigkeit steuern. Er wird als Reaktion auf schöne Erfahrungen freigesetzt, wie zum Beispiel Sex, Drogen oder Essen. Frühe Studien an Menschen hatten bereits vermuten lassen, dass jedoch nicht allein die Ausschüttung von Dopamin für die Neigung zum Rausch und zur Abhängigkeit verantwortlich ist, sondern die Anzahl der Dopamin-D2-Rezeptoren.

Dass sich der Körper auffallend schnell auf die Veränderung einstellen würde, sei ein zusätzliches Problem, sagt der Forscher. Denn einmal abhängig, half bei den Nagern nur ein Zwangsentzug: "Als wir den Tieren das Junkfood wegnahmen und sie auf eine Diät setzten – wir nannten dies die Salat-Bar-Option – weigerten sie sich zu essen." Die Ratten hungerten für gut zwei Wochen, bis sie sich vom kalorienreichen Essen losgesagt hatten.

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