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Stierkampf pro oder Contra?

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Um mir ein Urteil über den Stierkampf zu bilden, habe ich die Corrida nicht in einer spanischen Großstadt wie Alicante oder Valencia besucht, sondern in einer Mallorquinischen Kleinstadt, in Muro. Die Plaza de Toros liegt am Rande der Stadt.Es gibt nur zwei Platzkategorien: Sol ó sombra, Sonne oder Schatten.
Schon lange vor Beginn füllen sich die schlichten Steinstufen, die sich als Sitzreihen rund um die Arena ziehen. Auf der Sonnenseite sitzen die eingefleischten Corridabesucher, die Experten. Auf der anderen Seite im Schatten die bessergestellten und die Sonnenempfindlichen, zu denen auch meine Eule und ich gehören. Es ist kaum zu glauben. es ind alle Altersklassen vertreten, vom Säugling bis zur Urgroßmutter (oder -Vater), alle Gesellschaftsschichten, vom ungelernten Hilfsarbeiter über Geschäftsleute. Freiberufler , Ärzte, Anwälte und andere Honoratioren der Stadt
Wie im Kino Werbung vor dem Hauptfilm, so auch hier vor dem Kampf Werbung der ortsansässigen Geschäftsleute, aber in voller Lebensgröße mit realen Darstellern.
Endlich sind die Präliminarien vorbei, und der erste Stier wird angekündigt: In leichtem Trab kommt er aus dem Tunnel gegenüber der Königsloge (in der noch nie ein König gesessen hat). Ein prachtvolles Tier: jung, strotzend vor Kraft und Gesundheit. Die Banderilleros rennen auf ihn zu, stoßen ihm die geschmückten spitzen Spieße in den Rücken und flüchten sich schnell hinter eine schwere Holzpalisade. Die Picadores zu Pferde reizen ihn ebenfalls mit ihren Lanzen, während der Torrero ihn mit der Muleta, dem roten Tuch reizt. Jedesmal, wenn der inzwischen wütende Stier herangalloppiert, weicht der Torrero duch eine Drehung des Oberkörpers aus, ohne auch nur einen Schritt zu tun. Je näher er den Stier an sich heranläßt und je eleganter er ihn in die leere Muleta laufen läßt, desto lauter ertönen die Olé-Rufe des Publikums.
Das Spiel dauert eine ganze Weile zum Entzücken des Publikums, bis der Stier schwer atmend in der Arena steht und den Torrero ansieht, nicht begreifend was mit ihm geschieht. Jetzt ist der Augenblick des Matadors: er zückt den bisher versteckten Degen, visiert das Genick des Stiers an und stößt kraftvoll elegant zu. Wie vom Blitz getroffen fällt der Stier zu Boden.
Das Publikum rast, Blumen, Sitzkissen, ja sogar Handtaschen fliegen von den Rängen in die Arena. Beim letzten Stier wurde sogar ein lebendes Kaninchen in die Arena geworfen, so begeistert war das Publikum. Dieser Torrero war ein Könner! Leider gab es auch Stümper, die es auch nach mehrmaligen Versuchen nicht fertig brachten, den Stier sauber zu töten. Dieser wurde dann, nachdem kein Stier die Arena lebend verlassen darf, regelrecht abgeschlachtet und wie alle anderen auch mit Pferden aus der Arena geschleift.
Sechs Stiere mußten ihr Leben lassen, jeder der drei Torreros erledigte zwei, wobei der Stümper auch seinen zweiten Stier elend verstümmelte, bis er endlich tot war. Ein gellendes Pfeifkonzert scheuchte ihn aus der Arena.
Dies war der erste und einzige Stierkampf, den ich gesehen habe. Es reichte mir, um mir ein Urteil zu bilden, das für mich heute noch Bestand hat: Ich lehne ihn ab, kann ihn aber nicht pauschal in Grund und Boden verdammen. Der Stierkampf gehört zur Geschichte und zur Kultur des Spanischen Volkes, und wird, obwohl die ablehnenden Meinungen auch in Spanien immer mehr und lauter werden, niemals ganz ausgegrenzt werden. Denken wir an die Alten Römer, die mit Sicherheit keine Barbaren waren: Brot und Spiele, der römische Zirkus mit seinen Gladiatorenkämpfen und wilden Tieren war bestimmt noch grausamer als der Stierkampf heute.Mit allem missionarischen Eifer, dessen wir fähig sind, wird es uns nicht gelingen, den Stierkampf abzuschaffen.