Meinen ständigen Begleiter, von uraltem englischen Adel, habe ich mir nicht ausgesucht, er hat mich okkupiert und klebt mir nun lebenslang an der Backe.
Darf ich vorstellen: Sir James Parkinson
Wann er mich ausgeguckt hat, weiß ich nicht. Gemerkt habe ich es nach unserer Rückkehr aus Spanien im Frühjahr 2006, als plötzlich meine Hände zu zittern begannen.
Meine Hausärztin warf nur einen Blick darauf und schickte mich gleich weiter zum Neurologen. Der untersuchte mich gründlich, schubste mich ein paarmal durch den Raum, daß ich gestürzt wäre, hätte er mich nicht aufgefangen.
"Zu 95% Parkinson" lautete die Diagnose, "die restlichen 5% wird eine MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie ) klären. Aber bleiben Sie gelassen, Parkinson ist zwar nicht heilbar, läßt sich aber gut behandeln." Ein schwacher Trost.
Die erste Konsequenz aus dieser Diagnose war, daß ich nun lebenslänglich alle zwei Monate bei ihm auftauchen muß, Medikamente verschreiben lasse und ihm schildere, wie es mir geht. Und da gibt es jetzt nach 3 Jahren,einiges zu berichten:
Das Zittern der Hände ist verschwunden, dafür gibt es jetzt andere, unange-nehmere Symptome:
Unkontrollierter vermehrter Speichelfluß. Sehr peinlich, wenn dir die Spucke aus der Goschn tropft, manchmal direkt auf den Tisch, und du merkst es nicht rechtzeitig. Muß eigentlich immer ein Taschentuch in der Hand haben.
Schluckbeschwerden. Der Bissen steckt dir im Hals, bewegt sich nicht vor und nicht zurück, und du bekommst panikartige Erstickungsangst, brauchst schnellstens einen Schluck zu trinken. Alptraumartig!
Verdauungsstörungen, Verstopfung bis zu steinharten Klunkern. Du hockst auf der Schüssel und plagst dich, aber nichts geschieht Hier hilft nur die rechtzeitige Einnahme eines Abführmittels, damit es gar nicht erst so weit kommt.
Muskelversteifung (Rigor) Die Muskeln werden hart, die Arme schwingen beim Gehen nicht mehr mit, der Körper neigt sich nach vorne, der Gang wirkt rück- artig und abgehackt.
Das ist noch lange nicht alles. Parkinson äußert sich mit den verschiedensten Symptomen, die man schon jahrelang an sich beobachtet hat, die man aber erstjetzt, nach der Diagnose richtig zuordnen kann. Ein "Aha!"-Erlebnis, auf das ich gut verzichten könnte.
Aber Sir James ist sehr anhänglich und immer präsent. Inzwischen gelingt es mir zwar, ihn weitestgehend zu ignorieren, aber irgendwann schlägt er wieder zu. Doch davon ein anderes Mal
Mein ständiger Begleiter
