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70 Jahre und kein bißchen weise!

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Heute will ich euch von meiner Geburtstagsfeier berichten, weil sie einfach etwas Besonderes war.
Einen runden Geburtstag hat man schließlich nur alle 10 Jahre, und so sollte auch mein siebzigster gebührend gefeiert werden..
Die erste Enttäuschung war, dass unser Festlokal, in dem wir bis dato alle Festlichkeiten gefeiert hatten, keinen zeitnahen Termin frei hatte. Es war alles belegt mit Kommunionen und Konfirmationen. So mußten wir nicht nur den Termin verschieben, sondern auch das Lokal wechseln. In der „Uhlberger Bauernstube“ (Internet.Sehr zu empfehlen) fanden wir eine adäquate Ausweiche, allerdings erst zum 15. Mai, da war mein Geburtstag (26.4.) schon lange vorbei.
In den Wochen vor dem Fest kam ich mir manchmal wie entmündigt vor, auf Fragen bekam ich die stereotype Antwort:“Das geht dich jetzt gerade mal gar nichts an.“ Ich durfte nicht einmal einen Blick in das Lokal werfen. Überall Geheimniskrämerei..
Aber der große Tag kam, die Gäste trafen pünktlich ein, und gegen 13,30 Uhr fuhren wir hinaus nach Uhlberg. Fünf Häuser, ein Kirchlein und eine Gastwirtschaft.. Selbst jetzt durfte ich noch nicht gleich hinein, weil Birgitte (meine Eule)und ihre Nichte noch einen letzten Kontrollblick auf die Dekoration und die gedeckten Tische werfen wollten..
Dann aber wurde ich hineingeführt wie ein Kind zur Bescherung..- Und ich war zunächst sprachlos:
Nie wäre ich darauf gekommen, dass meine Nichte meinen erlernten Beruf des Geigenbauers als Leitmotiv für die Dekoration wählen würde. Von den Servietten mit Geigenmotiv und Notenschlüssel über die Blumenschalen aus Kokospalmenblättern, (in jeder lag eine kleine Geige), bis zu den selbstgebackenen Kuchen und Torten, die jeder Konditorei zur Ehre gereicht hätten., war alles auf dieses Thema abgestimmt. Den ersten Kuchen in Form einer Geige durfte ich anschneiden, was mir schwerfiel als Geigenmacher.
Gegen 15 Uhr waren alle Gäste versammelt, und ich durfte die Kaffeetafel eröffnen. Danach gab es schon die ersten Vorträge: „Ulis Fanclub“ trat auf (siehe Foto) mit umgetexteten Liedern, deren Melodien ich früher selbst zum Besten gegeben hatte. Der Fanclub bestand aus den Mitgliedern unser beider Familien.
Dann ging es Schlag auf Schlag, eine Attraktion jagte die andere. : ein schöner Brauch in der Familie meiner Frau ist die Kreation eines Erinnerungsbuches für jeden, der einen Runden Geburtstag feiert.Jedes Mitglied der Großfamilie gestaltet eine oder mehrere Seiten, und mein Schwager, der ein Hobbybuchbinder ist, macht daraus ein „Buch der Erinnerung“. Nachdem ich schon so viele Seiten für andere Familienmitglieder gestaltet habe, bekam ich nun endlich auch selbst einmal ein solches Buch, und ich hüte es wie einen Schatz..Der absolute Höhepunkt des Abends war der Auftritt eines Mannes, der mir bei seinem Eintreffen gleich wieder entführt wurde, kaum daß ich ihn begrüßt und er mir gratuliert hatte. Ein junger Mann von etwa 25 Jahren, den ich noch nie gesehen hatte, in Begleitung einer älteren Dame, die ich für seine Mutter hielt.. Im Laufe des Nachmittags kam ich öfter zu ihm an den Tisch, aber ich durfte keine Fragen stellen, er war verschlossen wie eine Auster, was den Zweck seines Hierseins betraf.. Das Geheimnis wurde bald gelüftet: Meine Eule, die natürlich alles über mich weiß, auch von meiner Vorliebe für Musicals, hatte für mein Fest einen Countertenor engagiert! Dieser junge Mann, dem man es nicht ansah, sang wie ein junger Gott! Mit einem Stimmumfang von fast vier (!) Oktaven sang er im Bariton genauso schön und strahlend wie in den höchsten Soprankoloraturen. Ein Hochgenuß, zumal er die neuesten Musicals schon im Programm hatte. Es gefiel ihm auch so gut bei uns, daß er gar nicht ans heimfahren dachte, sondern mit uns weiterfeierte. In unserer großen Familie fand sich dann auch ein Quartier für den Rest der Nacht, sodaß auch für ihn einer Fortsetzung des Festes nichts mehr im Wege stand.
Besonders glücklich machte mich, daß meine erwachsenen Kinder , leider waren von vieren nur drei erschienen, von der Familie meiner Frau genauso herzlich akzeptiert wurden, wie ich vor 17 Jahren aufgenommen und integriert worden war.
Am späten Abend knallte es plötzlich draußen, und wir erlebten ein tolles Feuerwerk, das meine Tochter Ulrike für mich als Geschenk mitgebracht hatte und nun mit dem Einverständnis der Wirtin auf einem freien Platz hinter dem Haus abbrannte. So hatten sogar die Dorfbewohner noch ihren Spaß.

In einer so großen Familie finden sich auch immer ein paar Musiker zusammen, und so hatte sich schnell eine kleine Kapelle mit Quetsche, Mundharmonika und Gitarren zur Hausmusik zusammengesetzt und sorgte für Stimmung.
Sehr früh am Morgen lichteten sich die Reihen, und gegen fünf in der Früh verließen die letzten Gäste das Lokal, und auch wir fuhren nach Hause, um noch ein paar Stunden zu schlafen. Viel wurde nicht daraus, denn meine Schwester mußte schon um halb elf mit dem Zug wieder heimfahren..
Aber gegen Mittag füllte sich unser Haus schon wieder zum Reste essen. Freunde und Verwandte machten sich noch einmal über die Reste der Mahlzeit vom Abend her und auch der letzute Kuchen und die Torten erlebten den Abend nicht mehr.
Als dann am späten Nachmittag plötzlich alle aufbrechen wollten, fanden wir, meine Eule und ich, das gar nicht lustig, und so erreichten wir wenigstens, daß nicht alle auf einmal abreisten, sondern poco á poco die Gäste sich verabschiedeten, bis zum Schluß nur noch unser Freund Marek übrigblieb, der dann so gegen halb acht aufbrach.. Ein wunderschönes Wochenende war .vorbei. Gebe Gott, daß wir den nächsten Runden nicht nur noch erleben, sonder auch noch einmal so schön feiern können.